23.12.25 Ukraine Soli…ein neues Update zu Huljajpole mit Fotos – leider keine erfreulichen Nachrichten

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde und liebe alle, die für Huljajpole gespendet haben, heute schicke ich Euch und Ihnen ein neues Update zu Huljajpole mit Fotos – leider kein erfreuliches Update.
Zunächst möchte ich aber allen Spenderinnen und Spendern sehr herzlich danken, auch im Namen des Stadtrates und der Verteidiger der Stadt. Auch wenn wir keine Ausrüstung im Wert von Millionen oder auch nur zehntausenden Euro zur Verfügung stellen können – Eure Unterstützung ist wichtig, materiell und vor allem auch moralisch, auch weil sie zum einem Teil aus dem Ausland kommt. Sie gibt den Menschen das Gefühl, in einer Situation, in der sie verzweifelt um ihr Überleben als Menschen, als Staat und als Land kämpfen, nicht ganz allein gelassen werden.
Weitere Informationen und Fotos unten.
An dieser Stelle auch noch eine Bitte – einige wissen, dass ich seit längerem nach einer Partnerstadt für Huljajpole in Deutschland suche, was sich schwierig gestaltet. Für alle Hinweise, Tipps und Kontakte bin ich sehr dankbar.


Zunächst einige allgemeine Informationen:
Bereits bei meinem letzten Besuch in Huljajpole im September war die Lage viel schwieriger als noch im Frühjahr und im Sommer – durch die intensivierte ständige Drohnenüberwachung der russischen Armee und ständige Drohnenattacken waren die Bewegungsmöglichkeiten noch viel eingeschränkter.

Im Oktober begann eine russische Offensive auf die Stadt, die leider dazu führte, dass derzeit erste kleine Gruppen russischer Soldaten in Teilen der Stadt sind und die Stadt selbst zum Kampfgebiet geworden ist. Inzwischen sind die Zerstörungen in Huljajpole durch tägliche Angriffe mit Fliegerbomben und Artillerie noch viel schlimmer, als sie ohne hin bereits waren. Wie so viele andere Orte hat Russland auch diese ukrainische Stadt bereits weitgehend dem Erdboden gleich- und praktisch nicht mehr bewohnbar gemacht. Es ist für jeden Ort in der Ukraine ein unsagbarer Schmerz – aber wie Ihr alle wisst, hat Huljajpole (gegründet 1785) als Geburtsort des legendären Anarchisten und Militärführers Nestor Machno (1888 – 1934) eine besondere Bedeutung für die Ukraine und ihren Freiheitskampf. Deshalb ist ihre Vernichtung – und nun drohende Besetzung – besonders schmerzhaft für die ganze Ukraine.

In ukrainischen Medien wird viel darüber spekuliert, wie die Front in der Region südlich von Huljajpole drei Jahre und neun Monate halten konnte, nun aber innerhalb relativ kurzer Zeit einbrach. Ich möchte mich an den Spekulationen nicht beteiligen, auch weil es dabei zumeist um nicht gesicherte und nicht offizielle Informationen geht. Fest steht, dass russland es sich ab dem Spätsommer/Frühherbst anscheinend zum Ziel gesetzt hat, die Stadt zu erobern, massive Kräfte dorthin geschickt hat und, wie auch anderswo, ohne jegliche Rücksicht auf die horrenden täglichen Verluste von 250 bis 450 Soldaten täglich (Statistik des Kommandos Süd der Ukrainischen Streitkräfte, tägliche Mitteilungen in ihrem Telegram-Kanal) sowie Ausrüstung und Technik im Frontabschnitt vor der Großstadt Saporischschja nach vorn drängt.

Seit Ende Oktober, Anfang November läuft eine verstärkte Evakuierung der noch verbliebenen Bewohnerinnen und Bewohner. Von ca. 1.500 in der Stadt und umliegenden Dörfern konnten ca. 1.300 evakuiert werden. Auch in diesen Tagen dauert die Evakuierung an. Einen Eindruck davon könnt Ihr auf dem Facebook-Kanal von Wlad Machowksyj bekommen, er ist freiwilliger Helfer mit mehrjähriger Erfahrung bei Evakuierungen aus Kampfgebieten und organisiert mit Hilfe der ukrainischen Streikräfte und von Mitgliedern des Stadtrates Huljajpole Evakuierungen:

https://www.facebook.com/vlad.mahovs.kij

Ein Video der Bezirkspolizei Saporischschja aus Huljajpole von November könnt Ihr hier sehen:

https://www.facebook.com/share/v/17cqz8rg2Q

Ein Interview (Ukrainisch) mit dem Bürgermeister Serhij Jarmak, in dem er über die aktuelle Situation in der Stadt spricht, findet Ihr hier:
https://decentralization.ua/news/20288
Ihr könnt das Interview mit der Übersetzungsfunktion eures Browsers lesen, wenn auch nicht alles korrekt wiedergegeben wird. Außerdem findet Ihr zahlreiche Fotos im Artikel.


Da der „Punkt der Unbeugsamkeit“ im November aufgehört hat zu arbeiten, habe ich alle neueren Spenden für die Unterstützung der Verteidigerinnen und Verteidiger der Stadt sowie die Unterstützung eines unterirdischen Mini-Krankenhauses, genannt „Stabilisierungspunkt“, verwendet. Konkret habe ich zwei Ecoflow-Gerät a 2 KwH für das 78. Separate Batallion der Territorialverteidigung gekauft, welche diese in erster Linie für ihre Drohneneinheiten benötigen. Außerdem habe ich für den unterirdischen Stabilisierungspunkt verschiedene Geräte, u.a. ein mobiles Air-condition-Gerät, eine elektrische Motorsäge, Schutzabdeckungen für einen Starlink-Terminal sowie einen Drohnendetektor gekauft.

Zum Schluss nochmals der Hinweis, dass ich alle Spendengelder ausschließlich für Ausrüstung, Lebensmittel etc. verwende (sämtliche eigene Fahrten/Transportkosten bezahle ich selbst). Ich würde mich über weitere Spenden von Euch/Ihnen sehr freuen.

Konto/IBAN: DE20 3101 0833 9910 6684 62

BIC: SCFBDE33XXX

Kontoinhaber: Keno Verseck

Betreff: Huljajpole

ACHTUNG: Als Betreff bitte nur Huljajpole schreiben, NICHT Spende. Mein bisheriges Konto wurde wegen meiner Spendenaktivitäten für die Ukraine gekündigt.

Herzliche Grüße, Keno

Hier einige Fotos von Wlad Machowksyj:

Evakuierung am Ortsrand von Huljajpole. Bewohnerinnen und Bewohner mussten zum Schutz vor russischen Drohnen zu Fuß durch Gestrüpp und kleine Waldstücke zum Treffpunkt laufen.

Evakuierte Bewohnerin aus Huljajpole

Evakuierte Bewohner aus Huljajpole

„Jupiter“ (Rufname), der Kommandant des 78. Batallions mit einem der Ecoflow-Geräte (das nächste wird im Januar geliefert). Jupiter richtet allen Spenderinnen und Spendern seinen herzlichen Dank aus.

Die Leute des unterirdischen Stabiliserungspunktes, der Chirurg Wadym (links) und ein Sanitäter (rechts) sowie meine Wenigkeit im Frühsommer. (Ich hatte nach einer kleinen Verletzung an der Hand medizinische Hilfe bekommen.) Das mobile Air-Condition-Gerät wurde sowohl als Kühl-Gerät als auch zum Heizen gebraucht. Im Sommer wurde es dort unter der Erde teils sehr warm, im Winter sehr kalt.

Der Chirurg und Leiter des Stabilisierungspunktes Wadym mit der elektrischen Kettensäge, die unter anderem beim Bau der Holzbefestigungen und -abstützungen der unterirdischen Anlage Verwendung fand. Wadym lässt allen Spenderinnen und Spendern ebenfalls seinen herzlichen Dank ausrichten.

Eingang zum unterirdischen Stabilisierungspunkt – ein Minikrankenhaus für verletzte Soldaten.

Mobiler Drohnendetektor für den Stabilisierungspunkt: Das Gerät erkennt anfliegende Drohnen in einem Umkreis von 1-3 Kilometern und kann sie in einem Umkreis von einigen hundert Metern genau orten.

Tarnabdeckung des Starlinkterminals des Stabilisierungspunktes

Zwei Mitarbeiter des Stabilisierungspunktes mit der dank Eurer Spenden gekauften Tarnabdeckung für den Starlink-Terminal.

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